Freitag, 23. Oktober 2015

Das Klassenzimmer

Grundsätzlich fängt der Alltag im sonnigen San Francisco nicht anders an als der von unseren Schweizer Kameraden, die wir im grauen Zürich zurückgelassen haben.

Um ungefähr sechs Uhr wird man unsanft vom Piepen des Weckers aus seinen Träumen gerissen und schleppt sich mühsam ins Badezimmer. Irgendwann sitzt man dann in einer typisch amerikanischen Schulbank und wartet bis der Unterricht (endlich) beginnt.

Im Grossen und Ganzen unterscheiden sich die bevorstehenden Stunden nicht gross von denen in der Schweiz, was mir allerdings auffällt ist die lockere Atmosphäre im Klassenzimmer. Das Verhältnis zum Lehrer wirkt freundschaftlicher und allgemein sind die Stunden nicht allzu formell gestaltet, beispielsweise trägt mein Psychologielehrer jeden Tag einen anderen Hut, welcher alles andere als normal ist. Zudem ist sein ganzes Schulzimmer mit Hello-Kitty Figuren oder Bildern dekoriert, ein weiteres Beispiel liefert mir meine Lehrerin für Shakespeare, die nicht lange um den heissen Brei redet, sondern die Sachen beim Namen nennt und kein Tabu in ihrer Wortwahl zu entschuldigen weiss. Diese Lockerheit scheint die Arbeitshaltung nicht negativ zu beeinflussen, im Gegenteil, die Schüler wirken auf mich meist motivierter und lernwilliger als in so manchen anderen Schulen. Sie erledigen pflichtbewusst ihre Hausaufgaben und nehmen ohne zu zögern Zusatzaufgaben auf sich, die natürlich benotet werden.

Es sind diese Momente, die einem die doch teils grossen Kulturunterschiede vor Augen führen und einem die amerikanische Mentalität spüren lassen, es sind Momente in denen man zu vergleichen beginnt und sich fragt, ob das eine besser als das andere ist oder wie es wäre wenn es in der Heimat auch so aussähe?


Liebi Grüssli usem windig-wunderbare SFO
(NB)

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